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drugcom.de | Erhöhtes Psychose-Risiko bei frühem Einstieg in das Tabakrauchen

25.08.2016

Nicht nur Cannabis, auch Tabak steht im Verdacht, psychotische Symptome auszulösen. Einer aktuellen Studie zufolge erhöht sich das Psychose-Risiko, wenn der Einstieg in das Tabakrauchen schon mit 15 Jahren oder früher erfolgt.


Bild: matole / photocase.com

Originaltext: drugcom.de

Die erste Zigarette im Leben könnte entscheidend sein. Denn selten bleibt es bei einer Zigarette. Anfangs wird vielleicht nur gelegentlich geraucht. Dabei kann sich jedoch unmerklich eine Tabakabhängigkeit mit all seinen möglichen Folgeerkrankungen entwickeln. In einer australischen Studie wurde nun nachgewiesen, dass ein früher Einstieg in das Rauchen auch mit einem erhöhten Risiko für Psychosen in Zusammenhang steht.

Psychotische Erkrankungen wie die Schizophrenie können für die Betroffenen sehr belastend sein. Manche der Erkrankten haben Halluzinationen. Das bedeutet, sie nehmen Dinge war, die nicht da sind. Oder sie haben das unbestimmte Gefühl, verfolgt oder beobachtet zu werden. Dann spricht man von paranoiden Wahnvorstellungen. Bislang ist nicht vollständig geklärt, warum eine Psychose ausbricht. Im Verdacht stehen sowohl die Gene als auch bestimmte Umweltbedingungen wie zum Beispiel traumatische Erfahrungen.

Bekannt ist, dass Drogen wie Cannabis mit einem erhöhten Psychose-Risiko in Zusammenhang stehen. Ein Team um Studienleiter John McGrath hatte 2010 in einer Langzeitstudie nachweisen können, dass sich das Psychose-Risiko verdoppelt, wenn junge Teenager kiffen. In einer weiteren Studie haben McGrath und sein Team nun Nikotin in den Mittelpunkt gerückt.

3-fach erhöhtes Risiko

Das Forschungsteam hat 3.752 junge Erwachsene im Alter von 21 Jahren dazu befragt, ob und wann sie erstmals an einer Zigarette gezogen haben. Bei allen Teilnehmenden wurden Tests durchgeführt, um zu prüfen, ob sie schon einmal eine Psychose oder psychotische Symptome hatten. Ihr Ergebnis: Wer schon mit 15 Jahren oder früher mit dem Rauchen angefangen hat, hat ein 3-fach erhöhtes Risiko für die Entstehung von psychotischen Symptomen wie Halluzinationen oder Wahnvorstellungen.

Nun könnte eingewendet werden, dass von den jungen Erwachsenen bestimmt der eine oder die andere auch Cannabis konsumiert. Das Psychose-Risiko wäre dann womöglich nur aufgrund des Kiffens erhöht. McGrath und sein Team haben den möglichen Einfluss des Kiffens ebenfalls bedacht, indem sie in einer weiteren Analyse alle Cannabiskonsumierenden ausgeschlossen haben.

Cannabis in Analysen berücksichtigt

Der Effekt des Tabakrauchens war dadurch zwar etwas abgeschwächt, das Psychose-Risiko war aber immer noch doppelt so hoch wie bei Gleichaltrigen, die nicht rauchen. Tabakrauchen ist also auch unter Berücksichtigung des Cannabiskonsums als Risiko für die Entstehung von psychotischen Symptomen zu nennen.

Aus der Studie lässt sich jedoch nicht ableiten, ob Tabakrauchen eine Psychose verursacht. Denn es ist denkbar, dass es noch andere Faktoren gibt. Diese könnten sowohl das Psychose-Risiko erhöhen, als auch die Wahrscheinlichkeit, dass Jugendliche zur Zigarette greifen. So hat beispielsweise eine Studie aus dem Jahr 2014 Belege dafür erbracht, dass sowohl die Neigung zum Cannabiskonsum als auch das Psychose-Risiko durch die gleichen Gene beeinflusst werden.

Nach Einschätzung des Forschungsteam sei es aber denkbar, dass Nikotin einen Beitrag dazu liefert, eine Psychose ins Rollen zu bringen. Denn Nikotin wirkt im Gehirn auf die gleichen Botenstoffe, die auch bei Psychosen betroffen sind.