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noisey.vice.com | Wie sinnvoll ist eine der ältesten Regeln für den Ecstasy-Konsum überhaupt noch?

17.08.2016

Die Zahl der sogenannten Drogentoten ist den vergangen Jahren massiv angestiegen. Immer höher dosiertes Ecstasy und fehlender bewusster Umgang damit, haben die Wahrnehmung von Clubs und Festivals verändert. Erst am Wochenende schloss die Londoner Clubinstitution Fabric vorübergehend, um den richtigen Umgang mit zwei Todesfällen in den letzten Wochen finden zu können.


Ob mit E oder ohne, diese Raverinnen haben Spaß. Foto via Wiki Commons | By fivedollarones from Thousand Oaks, USA | CC By 2.0

Originaltext: noisey.vice.com

von Philipp Kutter

Höchste Zeit also, etwas gegen diese Entwicklung und für die Aufklärung zu tun. Mit dem Mixmag hat eines der größten Magazine für elektronische Musik und Clubkultur ebenfalls am Wochenende die Kampagne "Don't Be A Daft, Start With A Half" ins Leben gerufen hat. Sie wird gemeinsam mit dem Global Drug Survey betrieben, das jedes Jahr die Ergebnisse von Umfragen über das Konsumverhalten in mehreren europäischen Ländern veröffentlicht. Ein unbedingt begrüßenswerter Schritt.

Mixmag-Redakteur Duncan Dick sieht die Notwendigkeit einer solchen Initiative nicht nur in den steigenden Todesfällen, sondern auch durch die fehlenden Bemühungen staatlicher Behörden, "Drogenkonsumenten über die bewährteste und sicherste Praxis aufzuklären."

Dr. Adam R. Winstock, der jedes Jahr die Umfragen des Global Drug Survey präsentiert, sagte über die Kampagne: "Während 2014 vielleicht das Jahr war, in dem jeder über Pillen gesprochen hat, die mit PMA versetzt waren, erinnert uns 2016 daran, dass der gefährlichste Bestandteil in Ecstasy MDMA selbst ist." Man müsse sicherstellen, dass "Menschen, die Drogen nehmen, bessere Qualität und höhere Dosen nicht mit mehr Spaß gleichsetzen. Qualitativ bessere Drogen brauchen auch bessere Aufklärung, ebenso wie schlechtere."

"Erst mal eine Halbe!", so die deutsche Interpretation von "Don't Be A Daft, Start With A Half", ist eine alte bekannte Regel. Sie wurde in Europa in den 90er Jahren bekannt. Heute ist sie jedoch veraltet.

Denn damals enthielten Ecstatsy-Pillen deutlich weniger MDMA als heute. Bereits ab 150 mg MDMA-Gehalt wurde damals vor den entsprechenden Teilen gewarnt. Und auch für Pillen unter 150 mg setze sich die Faustregel durch, erst mal die Hälfte zu nehmen. Heute sind Teile mit über 150 mg nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. Dazu reicht ein Blick auf die Warnungen von checkit!. Kürzlich wurden auf Ibiza sogar Pillen mit fast 400 mg MDMA gefunden.

"Don't Be A Daft, Start With A Half" empfiehlt in einer Nacht weniger als 150 mg in drei Rationen einzunehmen. "Wenn du Pillen nimmst, nimm erst mal eine Halbe oder eine Viertel."

Und genau das ist der entscheidende Punkte: Nicht eine halbe, sondern eine viertel Pille zu nehmen, sollte zur neuen Faustregel werden, solange der MDMA-Anteil derartig steigt, wie er es momentan tut. Und vielleicht sollte man es auch bei einem Viertel belassen, wenn ein Teil 400 mg MDMA enthält. Dass die Produzenten von Ecstasy sich auf eine Obergrenze und standardmäßige Bruchrillen einigen, ist schließlich nicht zu erwarten.

Die Kampagne von Mixmag und Global Drug Survey bräuchte dann allerdings einen neuen Namen. "Be Smarter, Take A Quarter" vielleicht. Wer bessere Vorschläge hat, kann sie uns gerne zukommen lassen.